Kastell Dinogetia: die römisch-byzantinische Festung bei Garvăn
Dinogetia ist eine archäologische Stätte bei Garvăn, Gemeinde Jijila, im Kreis Tulcea in Rumänien, nicht weit östlich von Galați. Hier lag eine getisch-dakische Siedlung, später ein römisches Kastell an der Donaugrenze und dann eine byzantinische Festung; Mauern, Basilika und Thermen machen den Ort zu einem lohnenden Abstecher für Freunde der Unteren Donau.
Dinogetia war ein römisches Grenzkastell, das niederbrannte, jahrhundertelang verlassen lag und dann als byzantinische Stadt neu erwachte. Eine hier gefundene Bronzewaage trägt den Namen eines Stadtpräfekten von Konstantinopel.
Die Geschichte von Dinogetia
Dinogetia begann als getisch-dakische Siedlung, die die Römer eroberten und zu einem Grenzkastell ausbauten, das später Ptolemäus erwähnt. Es lag auf einem felsigen Sporn im Donauknie in der römischen Provinz Moesia und gehörte zum mösischen Limes, der Verteidigungslinie an der Unteren Donau. Keramikfunde und Münzen des 1. bis 3. Jahrhunderts deuten auf ein älteres römisches Kastell hin, dessen genauer Ort aber nicht gefunden wurde.
Das heute bekannte Kastell wurde zu großen Teilen unter Diokletian neu errichtet, der von 284 bis 305 regierte. Die Mauern sind etwa 3 Meter dick und mit hufeisenförmigen Türmen verstärkt, die Anlage umfasst rund 7800 Quadratmeter. Gestempelte Ziegel belegen die Legio I Iovia, und die Notitia Dignitatum, ein spätrömisches Verzeichnis von Militärstandorten, nennt hier die Milites Scythici. Im 4. Jahrhundert entstanden im Inneren weitere Bauten, darunter ein mutmaßliches Praetorium, eine Basilika und das Haus eines Adligen, während Thermen unmittelbar außerhalb der Mauern lagen. Schriftquellen erwähnen zudem christliche Märtyrer aus dem Heer unter Licinius, ein Zeichen, dass das Christentum die Gegend erreicht hatte.
Unter den Kaisern Anastasius und Justinian wurden Mauern und Gebäude ausgebessert. 559 überrannten die Kutriguren unter Zabergan das Gebiet, und Dinogetia litt schwer, erholte sich aber. Brandschichten und Münzen von 591/592 zeigen eine letzte Katastrophe, die mit den Awareneinfällen von 596 und 597 verbunden wird. Das Kastell blieb danach rund dreieinhalb Jahrhunderte verlassen, und die Donaugrenze des Oströmischen Reiches brach unter dem Druck slawischer Stämme zusammen.
Nach den Feldzügen von Kaiser Johannes I. Tzimiskes, der 971 siegte, kehrten die Byzantiner an die Untere Donau zurück. Die alten Mauern wurden instand gesetzt, und der Platz wurde Garnison und dann Siedlung, die im 11. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte, als im Inneren Wohnhäuser entstanden. Innerhalb der Mauern wurde eine kleine überkuppelte Kirche mit halbrunder Apsis errichtet, eine der ältesten Steinkirchen im heutigen Rumänien. Einfälle nomadischer Völker im 11. Jahrhundert beschädigten die Unterstadt, und Bewohner vergruben Münzen und Schmuck, die sie nie mehr bargen. Im 12. Jahrhundert wurde der Ort allmählich verlassen. Die Grabungen begannen 1939 unter Gheorghe Ștefan, wurden 1949 wieder aufgenommen und später von Ion Barnea fortgeführt.
Kuriositäten rund um Dinogetia
- Eine hier gefundene Bronzewaage trägt den Namen von Flavios Gerontios, Stadtpräfekt von Konstantinopel zur Zeit Justinians; sie wurde wohl in der Hauptstadt geprüft und hierher geschickt.
- Ein byzantinisches Doppelkreuz aus zwei fest verbundenen, flachen Metallkreuzen gehört zu den christlichen Funden.
- Bei den Grabungen kamen zwei Knochenflöten aus dem 10. bis 12. Jahrhundert zutage.
- Zwei mittelalterliche Münzschätze byzantinischer Prägung wurden hier 1939 und 1954 geborgen. Einer war 1073/74 in einem Tontopf vergraben worden.
- Ein spätrömisches Badegebäude außerhalb der Mauern maß rund 25 mal 18,5 Meter und blieb bis in die frühbyzantinische Zeit in Betrieb.
- Die kleine Kirche im Inneren des Kastells zählt zu den ältesten Steinkirchen im heutigen Rumänien.
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Kastell Dinogetia besuchen: Das lohnt sich
- Die Hauptsehenswürdigkeit ist der Ring spätrömischer Mauern mit den hufeisenförmigen Türmen und dem Torbereich.
- Innerhalb der Mauern finden sich die Reste der Basilika, Bauten der römischen Zeit und die spätere mittelalterliche Kirche.
- Die sichtbaren Reste wurden nach der Ausgrabung konserviert und restauriert, stellenweise teilrekonstruiert. Der Ort ist weiter ein Grabungsgelände, daher können sich Regeln und Zugang ändern.
- Der Fernsehturm von Galați, rund 10 km entfernt, und Castrum Noviodunum, rund 30 km entfernt, sind weitere Ziele dieses Führers.
- Einrichtungen vor Ort werden in den Quellen nicht beschrieben; prüfen Sie daher vor der Anreise die aktuellen Öffnungszeiten und Zugangsbedingungen.
Öffnungszeiten, Zugang und Bedingungen können sich ändern. Bitte vorab prüfen.
Karte: Lage von Kastell Dinogetia
Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende
Fotos: Kastell Dinogetia





Fragen
Wo liegt das Kastell Dinogetia?
Es liegt bei Garvăn, Gemeinde Jijila, im Kreis Tulcea in der Nord-Dobrudscha, nicht weit östlich von Galați, nahe der Mündung des Siret in die Donau.
Was war Dinogetia?
Es war eine getisch-dakische Siedlung, dann ein römisches Kastell am mösischen Limes an der Donau. Nach einer langen Pause nutzten die Byzantiner es erneut als Garnison und Stadt.
Wer baute die Mauern von Dinogetia?
Die erhaltene Befestigung wurde großenteils unter Diokletian neu errichtet, der von 284 bis 305 regierte. Die Kaiser Anastasius und Justinian besserten sie später aus.
Was gibt es in Dinogetia zu sehen?
Zu sehen sind die spätrömischen Mauern mit hufeisenförmigen Türmen, Reste einer Basilika und anderer Gebäude sowie eine kleine mittelalterliche Kirche. Die Thermen liegen unmittelbar außerhalb der Mauern.
Warum wurde Dinogetia aufgegeben?
Das römische Kastell wurde Ende des 6. Jahrhunderts durch Feuer zerstört, im Zusammenhang mit Awareneinfällen und dem Zusammenbruch der Donaugrenze. Die mittelalterliche Stadt wurde im 12. Jahrhundert allmählich verlassen.
Was gibt es in der Nähe von Dinogetia zu sehen?
Der Fernsehturm von Galați liegt rund 10 km entfernt, Castrum Noviodunum rund 30 km. Halmyris liegt rund 92 km entfernt.
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